Franz Josef Wetz (Hrsg.)
Kolleg Praktische Philosophie
Band 1: Ethik zwischen Kultur- und Naturwissenschaften
Reclam, 2008
299 Seiten, kartoniert, Euro 7,80
Best.Nr. 704 200
Praktische Philosophie hat zur Aufgabe, die Frage zu beantworten, wie wir leben und handeln sollen. In einer Gesellschaft, die nicht auf ein (religiöses oder vernunftmetaphysisches) höheres Sinnmodell zurückgreifen kann, zieht dies zwangsläufig Wertedebatten nach sich. Weil allgemeinverbindliche Normen nur noch intersubjektiv zu begründen sind, bedarf es dieser diskursiven Verständigung über gemeinsame Interessen. Dementsprechend ist der Band auf Pluralismus angelegt, zehn Autorinnen und Autoren erörtern, wie evolutionär unsere Ethik ist & sein muß und welcher Anteil der „kulturellen Arbeit“ zuzuschreiben ist.
Gleich im Vorwort erfolgt der Hinweis darauf, daß „naturalistische“ und „liberalistische“ Vorstellungen nur auf den ersten Blick unvereinbar erscheinen; wer genau hinschaut entdeckt, daß sich aus der Ablehnung einer metaphysischen Wesensnatur des Menschen eine wichtige Gemeinsamkeit ergibt: „Der Mensch muß sein sorgenvolles Leben selbst führen, seine Existenz selbst deuten und dazu alle Werte setzen, an denen er sich orientieren möchte.“ Daß die „Natur“ des Menschen dabei keineswegs den Kampf aller gegen alle mit sich bringen würde, wenn sie nicht kulturell gezähmt würde, zeigt der Aufsatz von Voland Michael Schmidt-Salomon, die auf der Grundlage der menschlichen Empathiefähigkeit (Stichwort: Spiegelneurone) eine Ethik jenseits von Gut und Böse reflektieren.
In den weiteren Beiträgen geht es unter anderem um die Naturalisierung des Geistes und die daraus erwachsenden Folgen für das Selbstverständnis des Menschen (Bettina Walde); um evolutionäre Ethik (Gerhard Vollmer) und Hedonismus (Bernulf Kanitscheider); um die Naturalisierung der Kultur und die Bedeutung unseres Wissens um die Abhängigkeit von anonymen Naturprozessen für alltägliche Entscheidungen (hier meint Franz Josef Wetz, daß Gene und Neuronen, selbst wenn sie uns vollständig determinieren würden, den Einzelnen nicht von der Sorge um sich und die Gesellschaft entlasten); um die Notwendigkeit kultureller Arbeit (Volker Steenblock).
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