Peter Boldt
Die Evolution des Glaubens und der Ethik
Über Ursprung, Gegenwart und Zukunft
R.G. Fischer, 2009
223 Seiten, kartoniert, Euro 12,80
Best. Nr. 704 486
Peter Boldt, emeritierter Professor für Organische Chemie, beschäftigt sich mit der Evolution des Glaubens und der Ethik. Religion sei entstanden als Antwort auf überlebensbedrohliche Herausforderungen in der menschlichen Entwicklungsgeschichte. Der Autor diskutiert dazu gruppenselektionistische und individualselektionistische Modelle, also die Frage, auf welcher Ebene die darwinsche Selektion wirkt. Während für den englischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins die Religion ursprünglich ein Nebenprodukt oder eine Fehlfunktion eigentlich nützlicher Mechanismen ist, sieht Boldt die Entstehungsursache von Glauben in einem direkten evolutionären Nutzen begründet, etwa in einer Reduktion der Angst vor dem Tod oder in Vorteilen für die Gruppe.
Der Autor versteht sich selbst als Atheist, glaubt aber an die heutigen positiven Wirkungen von Religion. Für die Zukunst sieht er in einer humanistisch orientierten Psychologie eine Hoffnung und plädiert für eine humanistische Leitkultur.
Das Buch enthält zahlreiche interessante Gedankengänge. Leider behandelt Boldt zu viele Themen (die Memetik kommt zur Sprache, von Spiegelneuronen ist die Rede, im Anhang wird die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen dokumentiert), statt sich auf die Ursprünge von Glaube und Ethik zu konzentrieren. Dadurch bleiben einzelne wichtige Ideen unterbelichtet. Etwas weniger wäre mehr gewesen. Nichtsdestotrotz: eine anregende Lektüre.
B. Reinsdorf
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