Hans Göpfert
Statt religiöser Erziehung: Welterklärung ohne Gott
tologo, 2009
97 Seiten, Abbildungen, kartoniert, Euro 12,90
Best.Nr. 704 564
Schulische Bildung sieht Hans Göpfert als Gewöhnung an die Macht; sein Anliegen ist die „Abwehr herrschaftlicher Fremdbeeinflussung“ , vor allem wenn es um Kinder geht. Auch religiöse Erziehung beurteilt er unter diesem Gesichtspunkt und dementsprechend kritisch. Denn das Christentum bietet für viele Phänomene des Diesseits keine vernunftbezogenen Erklärungen, vermittelt Kindern dafür aber die Botschaft von „Gott“ abhängig zu sein. Göpfert plädiert hingegen dafür, die Welt aus dem in den vergangenen Jahrtausenden angesammelten Wissen heraus zu erklären – so gut es eben geht, Gott aber nicht als Lückenstopfer für (noch) fehlendes Wissen einzusetzen. Wenn Erwachsene an einen Gott glauben wollen, hält der Autor dies für deren Sache, in vielen Fällen sogar für nachvollziehbar. Doch Kindern solle nicht suggeriert werden, daß sie Gott brauchen. Wenn sie nach „Gott“ fragen, sollten sie Gelegenheit erhalten, ihren Weg zu finden, sich mit der Idee auseinanderzusetzen und die betreffendeReligion auf ihre Weise kennenzulernen; ein an den kirchlichen Interessen ausgerichtetes Angebot (insbesondere der real existierende Religionsuntericht) erfüllt für Göpfert diesen Zweck nicht. Gerade auch angesichts des ausschließenden Charakters des konfessionellen Religionsunterrichts schlägt er einen gemeinsamen Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler vor, in dem „interkulturelles Verstehen“ erst möglich wird, weil die Kinder miteinander diskutieren und sich austauschen statt übereinander zu sprechen.
G. Reinsdorf
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