Sebastian Murken
Neue religiöse Bewegungen aus religionspsychologischer Perspektive
Diagonal, 2010
316 Seiten, kartoniert, Euro 35.-
Best.Nr. 704 629
Die vorliegende Arbeit ist eine leicht überarbeitete Fassung einer 2005 eingereichten Habilitation. Wie der Titel schon andeutet, geht es um neue religiöse Bewegungen (NRB), gemeinhin auch „Sekten“ genannt, aus religionspsychologischer Sicht. Das erste Kapitel schildert das Verhältnis von Religionspsychologie zu Religionswissenschaft und Psychologie. Dabei zeigt sich, dass Religionspsychologie in Deutschland, anders als etwa in den USA, eine Art Waisenkind ist, zu dem sich niemand bekennt. Die folgenden Abschnitte machen dann deutlicher, worum es bei der Religionspsychologie, insbesondere im Zusammenhang mit NRB, geht. Wie wird man Mitglied einer „Sekte“? Gibt es eine Sekten-Persönlichkeit? Ist ein freiwilliger Austritt wieder möglich? Sind NRB für die Gesundheit ihrer Mitglieder gefährlich oder können sie eventuell auch hilfreich sein? Interessant ist dabei, dass eine Schädlichkeit der Mitgliedschaft durch die vorhandene wissenschaftliche Literatur nicht bestätigt werden kann. Sodann beschaftigt sich der Autor mit dem Spannungsfeld zwischen religionswissenschaftlicher Wertneutralität und dem gesellschaftlichen Bedürfniss nach wertenden Stellungnahmen. Ein Moment von NRB ist ihre spezifische Heilserwartung, oft chiliastischer Natur, und wie ihre Mitglieder damit umgehen (Coping-Ansatz). In den letzten vier Kapiteln wird dann der gewählte Ansatz mit eigenen empirischen Untersuchungen untermauert. Befragt wurden dazu Mitglieder Freikirchlicher Pfingstgemeinden, der Neuapostolischen Kirche und Zeugen Jehovas.
Es versteht sich, dass eine Habilitationsschrift eher trocken daher kommt. Das Verdienst Sebastian Murkens ist aber eine Zusammenfassung religionspsychologischer Erkenntnisse und ihre (auch empirische) Anwendung auf neue religiöse Bewegungen in Deutschland.
B. Reinsdorf
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