Mathias Jung
Spinoza
Gott ist Natur – Natur ist Gott
emu, 2005
221 Seiten, gebunden, Euro 12,80
Best. Nr. 704 638
Der „gottlose“ Jude portugiesischer Herkunft Baruch Spinoza (1632-1677), von christlicher wie jüdischer Orthodoxie als Ketzer verschmäht, gilt als einer der ersten Konfessionslosen der Neuzeit. Eine Grabinschrift, verfasst von einem christlichen Pfarrer, lautet: „Speie auf dieses Grab. Hier liegt Spinoza. Wäre seine Lehre dort auch begraben! Schüfe dieser Gestank keine Seelenpest mehr.“ Im 18. Jahrhundert nannte ein Nürnberger Professor Spinoza „einen elenden Wicht“, für Leibniz ist er der „berüchtigte Jude“, andere Stimmen nennen ihn einen „Straßenräuber und Mörder der gesunden Vernunft und Wissenschaft“, er sei „voll von Frevel und Gottlosigkeit“ usw. Warum dieser Hass? Spinoza schafft in seinen Werken den Gedanken eines Schöpfergottes und die imaginäre Welt des Jenseits ab. Stattdessen erhebt er das irdische, materielle Leben in einen spirituellen Zustand. Spinoza vertritt einen Pantheismus. Mathias Jung schreibt dazu: „Im Denken Spinozas gibt es keinen persönlichen Gott und schon gar keinen Gott, der sich regional, das heißt unter Ausschluss aller anderen Weltreligionen, in Propheten oder in Jesus gleichsam vor Ort inkarniert, artikuliert. Die Offenbarung Gottes, so meint Spinoza, geschieht in allem Wirklichen.“ Bedenkt man ferner, das Sinoza als einer der Begründer der historischen Bibelkritik zu sehen ist, wird die Abscheu verständlich, die aus frommen Kreisen diesem Denker entgegenschlägt.
Wie in seinen anderen Philosophendarstellungen in der Reihe Perspektiven der Menschlichkeit führt auch im vorliegenden Band Mathias Jung einfühlsam und für einen Laien verständlich in Leben und Werk Spinozas ein. Wer mehr über Spinoza wissen möchte, dem kann Jungs Buch empfohlen werden.
B. Reinsdorf
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