Thomas Brechenmacher
Der Vatikan und die Juden
Geschichte einer unheiligen Beziehung vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Beck Verlag, 2005
326 Seiten, gebunden, Euro 24,90
Best.Nr. 703 632
Brechenmacher geht aus von der doppelten Schutzherrschaft der Päpste gegenüber Juden und Christen: die Christen mußten vor dem "verderblichen Einfluß" der Juden geschützt werden und zugleich war es notwendig, wilde Pogrome zu unterbinden. Dieser nach zwei Seiten wirkende Schutz wurde, je mehr Reformation und Aufklärung die katholische Kirche in ihrer traditionellen Vorherrschaft beschnitten, immer stärker zuungunsten der Juden ausgelegt. Ein wesentlicher Aspekt war, daß die Kurie die Moderne als freimaurerische Verschwörung ansah, in die oft genug die Juden als "Schuldige" miteinbezogen wurden (Brechenmacher sieht den Kampf für eine säkulare Gesellschaft, wie er z.B. in Italien stattfand, übrigens nicht als uneingeschränkt begrüßenswert an). Auf dieser Grundlage, so die Einschätzung des Autors, sei es zwar nicht zu einer Übernahme antisemitischen Denkens durch den Vatikan gekommen, doch hätte der traditionelle Antijudaismus bewirkt, daß die Rettung der "älteren Brüder" nie zu einer Frage höherer Priorität wurde.
Die Studie konzentriert sich, wie im Titel ersichtlich und anders als etwa Gerhard Czermaks weiter ausholendes Werk Christen gegen Juden, auf die Politik des Vatikans. Im Vergleich zu David Kertzers Die Päpste gegen die Juden weist es über 1945 hinaus und damit auf die veränderte Haltung des Vatikans in dieser Frage hin.
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