Tom Hodgkinson
Anleitung zum Müßiggang
Edition der Freitag, 2009
376 Seiten, kartoniert, Euro 11,80
Best.Nr. 703 799
Es ist schon seltsam, daß in Deutschland ausgerechnet die konservative Presse dieses Buch über den grünen Klee lobte, "fulminant" (Welt am Sonntag) und "beeindruckend" (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) fand. Dabei plädiert Hodgkinson für nichts weniger als die Revolution und ein Leben "frei von Vorgesetzten, Wochenlöhnen, Berufsverkehr, Konsum und Schulden". Und er beschimpft so ziemlich alles, was den Meßdienern des Kapitalismus ansonsten hoch und heilig ist: die Religion (die uns ein schlechtes Gewissen einredet, wenn wir keine Lust haben, frühmorgens aufzustehen), die "deutschen Tugenden" (Fleiß, Pünktlichkeit und alle anderen Eigenschaften, die uns zu guten Arbeitssklaven machen) und die moderne Arbeitswelt (in der selbst das Mittagessen nur noch im Hinblick auf die anschließend erhöhte Arbeitsenergie geduldet wird). Warum nur fürchten sie den Herausgeber der Zeitschrift The Idler ("Der Faulpelz") und die zersetzende Wirkung seiner Schriften nicht? Vielleicht weil nicht ernstzunehmen ist, wer die Mühe auf sich nimmt, ein Buch über den Müßiggang zu schreiben? Vielleicht weil sie ahnen, daß die Arbeiter & Angestellten die puritanische Arbeitsmoral längst so weit verinnerlicht haben, daß sie Revolutionsführer Hodgkinson nicht folgen werden? Vielleicht weil sie wissen, daß es weltweit ohnehin eine riesige Armee an zum Müßiggang Bestimmten gibt (in Deutschland heißen sie "Hartz-IV-Empfänger"), deren Ameisenfleiß das Kapital gar nicht braucht? Vielleicht weil sie durchschaut haben, daß irgend jemand das verdammte ganze Bier brauen muß, das der Autor konsumiert, wenn er anschließend seinen Kater zelebriert... Oder unterschätzen sie nur die subversive Kraft, die dem Sich-verweigern innesteckt?
Jedenfalls hat es Spaß gemacht Hodgkinsons Plauderei zu lesen und die Vielzahl der Textstellen heller Köpfe, die er für seine Sache anführt, entschädigt dafür, wenn der Autor selbst mal wieder allzu platt argumentiert.
G. Reinsdorf
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