Paul Schulz
Codex Atheos
Die Kraft des Atheismus
Verlag August Rauschenplat, 2006
491 Seiten, gebunden, Euro 29,80
Best.Nr. 703 923
Paul Schulz hat eine interessante Biographie: in der 1980er Jahren wurde der Pastor der St. Jacobi-Gemeinde in Hamburg nach einem Kirchenprozeß aus der evangelischen Kirche rausgeworfen, da seine Auffassungen nicht den "alten Bekentnnissen der protestantischen Kirche" entsprechen würden. Bis dahin hatte er mit seinen "Weltlichen Predigten" (als Buchausgabe seinerzeit sogar bei Rowohlt erschienen) für Zulauf zu seinen Gottesdiensten und zugleich für Aufruhr im Kirchenestablishment gesorgt. 25 Jahre danach hat der damalige "Ketzer-Pastor" nun ein Buch über die Kraft des Atheismus vorgelegt.
Darin zeigt er, wie sich aus den Anfängen im antiken Griechenland durch die Wiederaufnahme dieses Gedankengutes durch Petrarca und andere in der Renaissance das rationale Denken, die Idee der Menschenrechte und die Vorstellung der Trennung von Religion und Politik entstanden sind. Ein ausführliches Kapitel befaßt sich mit Jesus von Nazareth, dessen "Botschaft von der nützlichen Menschlichkeit" Schulz als eine weltliche Ethik ansieht. Demgegenüber unterzieht er Luthers "Verrat an der säkularen Welt" ebenso einer scharfen Kritik wie die Idee einer "Christlichen Wertegemeinschaft" und wirft den Kirchen sogar Lügen vor, wenn sie behaupten demokratischer Staat und Menschenrechte hätten christliche Wurzeln.
Schließlich stellt Schulz seinen Codex Atheos vor, in dem der Atheismus als "fantastische Leistung des denkenden Menschen" gewürdigt wird, die Grundlage für ein diesseitiges Leben in einem verantwortlichen Verhältnis zu sich selbst und zur Welt sein könne. Aus einer Kritik des Staatsatheismus in den kommunistischen Staaten entwickelt er Ideen für einen neuen politischen Atheismus, der als zentrale Einrichtung eine Weltregierung ins Auge faßt und sich (hierin sicherlich angreifbar) ein Nebeneinander der Kulturkreise im Sinne Samuel Huntingtons vorstellt.
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