Sam Harris
Das Ende des Glaubens
Religion, Terror und das Licht der Vernunft
Edition Spuren, 2007
342 Seiten, gebunden, Euro 22.-
Best.Nr. 703 982
Sam Harris ist einer der "Neuen Atheisten". Sein Buch rechnet kompromißlos mit dem religiösen Glauben ab und fordert, die Idee der religiösen Toleranz aufzugeben (weil sie von der falschen Voraussetzung ausgehe, es sei den Menschen freigestellt, über Gott zu glauben, was sie wollen). Vehement wendet er sich in diesem Zusammenhang gegen die viel geübte Praxis, alle negativen Ausdrucksformen der Religion, vor allem die Abwertung Andersdenkender und Gewaltanwendung, von dieser zu trennen und anderen Ursachen zuzuschreiben. Die in der Auseinandersetzung mit der Religion zentrale Vorstellung, die "Wahrheit" wissen zu können, verteidigt Harris gegen Relativismus und Pragmatismus, denn gerade religiöse Aussagen müßten auf ihren Wahrheitsgehalt hin hinterfragt werden. Denn, so Harris, für jede nicht sofort einsichtige Alltagsbehauptung forderten wir Beweise, nicht hingegen aber für eine so ungeheuerliche Idee, daß "Ungläubige" ins ewige Höllenfeuer geworfen werden. Bis hierhin ist Das Ende des Glaubens eine religionskritische Kampfschrift, die stark an die Erfahrungen aus den USA anknüpft und die Radikalisierung islamischer Kreise während der vergangenen 30 Jahre fest im Auge hat. Allerdings macht er es sich hierbei stellenweise zu einfach, etwa wenn er Selbstmordattentate exklusiv dem Islam zuschreibt (und dabei die Anschläge z.B.der Tamil Tigers übersieht).
Es gibt aber einen zweiten, wenn auch untergeordneten Argumentationsstrang im Buch, der dem Autor von atheistischer Seite so viel Kritik eingebracht hat, daß er im Nachwort darauf eingeht. Harris, der sich nach Angaben seines deutschsprachigen Verlags, seit 20 Jahren in den mystischen Erfahrungswegen unterschiedlicher westlicher und östlicher spiritueller Traditionen, schule, hat tatsächlich ein Faible für buddhistisch inspirierte Meditation und pantheistisch anmutende Vorstellungen. Sätze wie: "Viele Resultate spiritueller Praktiken sind in der Tat wünschenswert, und wir sind es uns selbst schuldig, diese Praktiken für uns zu entdecken" (S. 38), irritieren ebenso wie seine Ausführungen über die "Weisheit des Ostens". Zwar bemüht sich Harris um eine Grenzziehung zwischen einer auf Glauben basierenden Religion und jenen spirituelle Praktiken, die intersubjektiv nachvollziehbare Aussagen zur Grundlage hätten. Trotzdem könnte diese Schlagseite des Buches in der säkularen Szene heftiger diskutiert werden als dessen Kernaussagen.
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