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Ahadi, Ich habe abgeschworen 19,95 EUR
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Art.Nr.: 704 178
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Ahadi, Ich habe abgeschworen

Mina Ahadi

Ich habe abgeschworen

Warum ich für die Freiheit und gegen den Islam kämpfe

Heyne, 2008
271 Seiten, Fotos, gebunden, Euro 19,95
Best.Nr. 704 178

„Ich habe abgeschworen“ war der Slogan, mit dem der Zentralrat der Ex-Muslime seine erste, sehr erfolgreiche Pressekampagne startete. Mina Ahadi nimmt diesen ersten Versuch, säkular eingestellt Einwanderer aus muslimischen Ländern zu organisieren, zum Ausgangspunkt ihrer politischen Autobiographie, die sie zusammen mit der Journalistin Sina Vogt verfaßt hat. Sie schildert die Vorgeschichte des Zentralrates, formuliert seine Ziele, freut sich über die große mediale Beachtung, die er gleich nach seiner Gründung im Februar 2007 fand (und verschweigt dezent die Probleme im organisatorischen Bereich). Dann geht sie zurück in die Vergangenheit, nach Teheran, und erzählt, wie es dazu gekommen ist, daß sie heute in Deutschland lebt und für die Freiheit & gegen den Islam kämpft. Sie berichtet von ihrer Jugend und ihrer Abkehr vom Glauben, von der Revolution gegen das Schah-Regime und dem Sieg der islamistischen Kräfte im Iran, von ihrem Kampf im Untergrund und ihrem Engagement für die Arbeiterkommunistische Partei, schließlich von ihrer Flucht nach Wien und neuen politischen Aktivitäten, die bis heute ihr Leben prägen.
Interessant ist das Buch nicht zuletzt, weil es zwei Perspektiven vereint: zunächst eine religionskritische, die sich aus der Erfahrung speist, was es heißt, in einem „Gottesstaat“ in der Opposition zu sein. Dabei beobachtet Mina Ahadi nicht nur die in Deutschland aktiven islamischen Vereinigungen (und zeigt, welche tatsächlichen Positionen sich hinter einer auf FDGO getrimmten Rheorik stecken). Sie kritisiert auch die grundsätzliche Privilegierung von Religionsgemeinschaften in Deutschland und insbesondere die Strategie der beiden großen Kirchen, die Ausweitung der Sonderrechte auf den Islam zu unterstützen, um die eigenen dadurch abzusichern. Daneben hat das Buch aber auch eine „migrantische“ Perspektive, die verdeutlicht, wie westliche (in diesem Falle österreichische) Bürokraten mit Menschen umgehen, die vor einem Regime geflohen sind, das sämtliche Rechte, die sich der sog. freie Westen gerne auf die Fahnen schreibt, mit Füßen tritt. Da zeigt sich, daß kleine Episoden aus dem Privatleben politische Bedeutung haben: als ihr erstes Kind in Wien geboren wird, muß sich Mina Ahadi im Krankenhaus anhören, daß ihre Tochter den Nachnamen ihres Vaters tragen müsse – weil nach islamischem Recht der Mann das Oberhaupt der Familie sei und die Kinder folglich nach ihm benannt werden müßten, da die iranischen Gesetze auch für sie als Exil-Iranerin Gültigkeit hätten. Nicht nur an dieser Stelle verdeutlicht die Biographie Mina Ahadis schlaglichtartig, daß Integration nicht über die Berücksichtigung vermeintlich durch die Religion vorgeschriebener gesellschaftlicher Regeln erreicht werden kann, sondern nur durch die Gewährung von Selbstbestimmung für jedes einzelne Individuum.
Hier stehen bei Mina Ahadi die Rechte der Frauen im Vordergrund; „erst wenn die letzte Frau frei ist, sind die Menschen frei“ heißt bezeichnenderweise ein Kapitel in ihrem Buch. Ihr Einsatz im Komitee gegen Steinigung hat sie weltweit bekannt gemacht und ihr einige ihrer emotional bewegendsten Erfolge eingebracht. Schließlich treffen sich in dieser Frage atheistisches und feministisches Engagement: „Selbst zu denken, zu entscheiden und zu handeln als soziales Wesen mit Verantwortung ist oft schwerer, als die Verantwortung abzugeben und von anderen diktierten Regeln zu folgen, deren Befolgung auch noch als Belohnung das ewige Paradies verheißt. Meine Belohnung sind die Befreiung von Nazanin Fatehi, das eigenständige Denken meiner Töchter, der Zuspruch einer Zuhörerin nach einem Vortrag. Dies gibt mir die Kraft, meinen Kampf für die Freiheit jeden Tag neu aufzunehmen.“



Diesen Artikel haben wir am Dienstag, 26. Februar 2008 in unseren Katalog aufgenommen.

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